Alle Publikationen
- <<
- <
- 1
2013
-
(2013): Höflichkeit im Wandel. Entwicklungen und Tendenzen in der Höflichkeitspraxis und dem laienlinguistischen Höflichkeitsverständnis der bundesdeutschen Sprachgemeinschaft innerhalb der letzten fünfzig Jahre. Heidelberg University Library
Abstract: Vorliegender Arbeit liegt die Hypothese zugrunde, dass sich gegenwärtig im bundesdeutschen Sprachgebiet ein Höflichkeitswandel vollzieht. Der Publizist und langjährige ZEIT-Redakteur Dieter E. ZIMMER (1991) spricht von einer ‘Neuen Herzlichkeit’. Beobachtbar ist die Tendenz eines Übergangs von einer etikettehaften, ritualisierten Höflichkeit mit etablierten Ausdrucksmitteln zu einer Simulation von Nähe und Vertraut¬heit, in der nichtetablierte sprachliche Mittel zum Einsatz kommen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Beschaffenheit des Höflichkeitswandels im Deutschen zu beschreiben und mögliche Ursachen zu diskutieren. Der Arbeit liegt ein korpusgestützter Untersuchungsansatz zugrunde. Das Datenkorpus, das die Grundlage zur Analyse der Höflichkeitsperformanz bildet, umfasst rund 2300 Schreiben aus dem Bereich der deutschsprachigen Geschäftskorrespondenz ausgewählter Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen. Die Auswertung der empirischen Daten lässt den Schluss zu, dass sich als neue Höflichkeit im Deutschen vier Ausprägungsformen von Nähehöflichkeit postulieren lassen. Nähehöflichkeit zeigt sich erstens in dem Transfer von Umgangsformen aus dem Kommunikationsbereich der Nähe in den Kommunikationsbereich der Distanz, zweitens in einer erhöhten sprachlichen Kreativität und Individualität der Sprachbenutzer, drittens in einer verstärkten Verwendung konzeptioneller Mündlichkeit in der geschäftlichen Korrespondenz¬ und schließlich in der Übernahme amerikanischer Umgangsformen. Der laienlinguistische Metadiskurs über Höflichkeit verläuft parallel zu ihrer Performanz und fungiert dabei sowohl als ständiges Performanzkorrektiv wie als Initiator des Höflichkeitswandels.
Keywords: Deutsch, Disziplin, Erzeugen von Vertrautheit durch Verwendung von Umgangssprache, Favoriten, Historical shifts of politeness forms, Höflichkeit, Höflichkeitsforschung, Linguistik, Soziale Angemessenheit, Politeness, Soziale Distanz, Theorie der Nähehöflichkeit, Überblick, Verwendung von Umgangssprache/nichtetablierte sprachliche Mittel 2011
-
(2011): Aufforderung im Französischen. Ein Beitrag zur Geschichte sprachlicher Höflichkeit. Berlin u.a.: De Gruyter (Beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie). Online verfügbar unter http://www.reference-global.com/isbn/978-3-11-023558-6
Abstract: Historische Aufforderungshandlungen sind gute Quellen für die Erforschung der Höflichkeitsstrategien früherer Epochen. Die Arbeit untersucht an Hand eines Korpus fiktionaler und non-fiktionaler französischer Texte zunächst die Häufigkeit verschiedener Formulierungstypen für unterschiedliche Arten von Aufforderungen, z.B. Bitten, Befehlen, Vor- und Ratschlägen. Neben den unmittelbaren Versprachlichungsstrategien (z.B. der direkten Aufforderung im Imperativ ferme la porte, der konventionell-indirekten Umschreibung pourrais-tu fermer la porte und anderen) wird auch deren Einbettung in das sprachliche Umfeld berücksichtigt, z.B. die Verwendung von Adverbien wie un peu oder vite sowie die Tatsache, dass Aufforderungen oft durch andere Sprechakte, wie etwa Entschuldigungen, Schmeicheleien, aber auch Drohungen usw., unterstützt werden. Aus den Veränderungen der Frequenzverhältnisse im Lauf der Sprachgeschichte ergeben sich Hinweise auf ein Vorherrschen der positive politeness (nach Brown/Levinson 1987) im Mittelalter und eine graduelle Verdrängung durch verschiedene Mittel der negative politeness seit Beginn der frühen Neuzeit. Dieses Phänomen kann durch allgemeine geistesgeschichtliche Entwicklungen erklärt werden.
1995
-
(1995): Etiquette Books and Emotion Management in the 20th Century. Part Two--The Integration of the Sexes. In: Journal of Social History 29 (2), S. 325-339. DOI: 10.1353/jsh/29.2.324
Abstract: This paper is the second part of a report on a comparative study of changes in twentieth-century American, Dutch, English and German etiquette books, focusing on connections between changes in ranking and formality, especially with regard to classes and sexes, and changes in emotion management. This part concentrates on the diminishing social and psychic distance between the sexes, and on changes in the demands on emotion management in the process of women's emancipation and social integration. A sketch of the expansion of upper- and middle-class women's sources of power and identity focuses on aspects such as the development of codes of behaviour for new situations: dances, dates, the workplace, etc., as women succeeded in getting rid of the system of chaperonage and in 'escaping' from the imprisonment of the 'home'. The concluding sections of this part focus on the intensified tug-of-war between old and new relational ideals and sources of power, and concomitant: feelings of ambivalence in both women and men.
Keywords: Etikette, Etiquette, Favoriten, Gender, Geschichte, Historical shifts of politeness forms, Kulturelle/soziale Rituale, Observablen/Kriterien für sozial angemessenes Verhalten und dessen Bewertung, Ratgeber, Ratgeberforschung, Sexes, Soziale Angemessenheit, Sozialgeschichte, Tanz, Überblick -
(1995): Etiquette Books and Emotion Management in The 20th Century. Part One--The Integration of Social Classes. In: Journal of Social History 29 (1), S. 107-124. DOI: 10.1353/jsh/29.1.107
Abstract: This is the first part of a comparative study of changes in twentieth-century American, Dutch, English and German etiquette books, focusing on connections between changes in ranking and formality, especially with regard to classes and sexes, and changes in emotional management. Direct references to differences in class, status and gender, particularly with regard to feelings of superiority and inferiority, have diminished or even vanished from the social codes as workers and women came to be further integrated into their national states. Within the consequential narrower limits these codes have become more lenient and varied for a wider and more differentiated public: an informalization process. After a preliminary section on etiquette books as a source of evidence, this first report concentrates on the diminishing social and psychical distance between people of different class and rank. It presents examples of changes in what was written on the 'dangers' of social mixing, familiarity, the use of Christian names and 'social kissing'. These examples indicate an expanding social integration and identification as well as a change in the regimes of power and emotions in the direction of increasing social constraint towards 'unconstrained self-restraint'.
- <<
- <
- 1
